
Foto: Promo
Thick As A Brick
Der irische Autor Flann O’Brien könnte wirklich als ‚Little Milton‘ durchgehen, wenn er auch kein Brite ist und man ihn – anders als Gerald Bostock – auch nicht in eine Geschlossene Anstalt überweisen wollte. Für den vorzeitigen Vertreter der Postmoderne O’Brien war es jedenfalls nichts Besonderes, die irrwitzigsten Figurenkombinationen und Ereignisse in einem Roman wie „Auf Schwimmen-Zwei-Vögel“ miteinander zu vereinen.
Sein Geist muss sich nach seinem Tod 1966 auf die bald entstehenden Gruppierungen Monty Python und Jethro Tull (und wohl noch auf Douglas Adams) verteilt haben. So in etwa muss es zu dem von Gerald ‚Little Milton‘ Bostock getexteten Stück „Thick As A Brick“ und dessen Aufführung in der Stuttgarter Liederhalle gekommen sein: Erzählt wird uns vom Taucher, der durch Großstadtstraßen und über Felder trottet und einem Harlekin als Sänger, von Archibald Perrit, dem stolzen Schlossherren, und dem armen Thomas, der sich einer zotigen Prostata-Untersuchung unterziehen muss, und natürlich von Gerald Bostock selbst, diesem fiktiven achtjährigen Schuljungen. Das hätte sich Flann O’Brien ausgedacht haben können. [Mehr →]
Tags: Allgemeines · Folk · Jazz · Rock

Foto: Andreas Meinhardt
Eine Band die nach einem Mitgliederwechsel ihr drittes Album rausbringt. Dieses klingt ein wenig anders als die beiden Vorgänger. Ernster. Erwachsener. Nicht mehr ganz so frisch. So endet dann auch die Geschichte von vielen Bands.
Nicht aber die von Timid Tiger. Diese fängt hier vielleicht erst richtig an.
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Tags: Elektro · HipHop · Konzerte · Pop
von Holger · 17. Mai 2012

Foto: Michael Weiß
Und ich sag noch: “Leute, geht zu Dear Reader ins Speakeasy. Das wird sicher ein tolles Konzert.” Wollte wieder mal keiner hören. Habt ihr Pech gehabt. Denn dieser Abend war ein Hochgenuss! Und er hat meine hoch gesteckten Erwartungen noch weit übertroffen.
Erstmal kann ich nicht genug loben, dass die Leute vom Speakeasy die Reihe “Petit Sejour” aus der Taufe gehoben haben. Wer’s noch nicht kennt: jeden Dienstagabend gibt es im “kleinen Wohnzimmer” musikalische oder literarische Kleinode für schmalen Eintritt. Dazu wird der Club mit Sofas, Sesseln und Perserteppichen umgestaltet. An diesem Abend ist der Eintritt – angesichts des Bekanntheitsgrades der Band – mit elf Euro allerdings etwas höher bemessen. Trotzdem versteh ich nicht, warum manche da an der Tür rummaulen. Soviel zahlt man doch auch ohne zu Zögern für einen 3D-Movie – und hier gibt’s dafür echte, lebendige, sogar ziemlich bekannte Musiker, Live-Atmosphäre und große Gefühle!
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Tags: Folk · Independent · SingerSongwriter

Foto: Sue Real
Ach, man muss die Scorpions verteidigen: Gegen Kritiker. Gegen Skeptiker. Und seltsamerweise muss man sogar die Fans der Band manchmal ein wenig anspornen. Zunächst einmal ist es schon interessant, dass zwar keiner einen Metal-Fan ungläubig befragt, wenn er auf ein Anna Calvi-, Deine Lakaien- oder Bon Iver-Konzert geht, wohl aber bei den Scorpions. Man könnte meinen, dass die Leute irgendwie denken, da ginge sowieso keiner hin. Seltsam, dass die Schleyerhalle dann ausverkauft ist. [Mehr →]
Tags: Pop · Rock

Foto: Özlem Yavuz
Mein erster Gedanke: Boah ist das voll hier. Der zweite: Ganz schön viele Hipster, so auf den ersten Blick. Der nächste: Wo verstecken sich eigentlich all diese Hipster sonst? So groß ist Stuttgart doch gar nicht… aber bei Hipsterbands wie The Whitest Boy Alive stehen sie dann immer dichtgedrängt, Röhrenjeans, Karohemden, große Brillen und der ein oder andere ironische Schnauzer.
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Tags: Electronica · Rock

Foto: bertramprimus
Und dann kommt er, der Joseph Aloisius Ratzinger, a.k.a. Benedikt XVI., im offenen Papamobil und winkt seinen Fans, a.k.a. Gläubige, zu. Er ist 45 Minuten zu spät.
Ich bin beruflich in Rom, habe ungeplant zwei Tage Zeit und möchte mir Bauwerke des großartigsten italienischen Bauingenieurs des 20. Jahrhunderts, Pier Luigi Nervi, anschauen – was soll man sonst auch tun in der ewigen Stadt. Bei meinen Recherchen stoße ich auf den Sala Nervi, die päpstliche Audienzhalle – und lese, dass dort jeden Mittwoch eine Audienz stattfindet. Super, es ist Mittwoch, also kann ich mir das Bauwerk anschauen, und den Papst dazu. Allerdings, so lese ich weiter, muss man sich mindestens zwei Wochen vorher anmelden, es sei denn, das Wetter ist gut, dann steigt das Event open air. Anmeldung habe ich nicht, Wetter ist aber gut: also zum Papst, ohne Sala Nervi. Um 10 Uhr soll es losgehen.
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Tags: Allgemeines
von Holger · 9. Mai 2012

Foto: Steffen Schmid
Irgendwann Ende der Achtziger Jahre war als ich das letzte Mal im Komma. Eine lokale Punkrock-Band lockte mich in den Laden und so reiste ich nach Esslingen. Fast eine Expedition, schafften wir es damals doch selten viel weiter als in unsere Stammkneipen, das Casino und das Exil. Doch im Komma mit seinem Hinterhof-Flair konnte ich mich auch gleich wohlfühlen. Nach dem Konzert brachte dann die Band für einen Heiermann ihre selbstkopierten Musik-Kassetten unters Volk.
(Kleiner Einschub für die jüngeren Leser: Kassetten sind kleine Plastikboxen mit einem Magnetband auf zwei Spulen. Nutzte man damals, um in stundenlanger Kleinarbeit seiner Angebeteten Mixtapes zusammenzukopieren oder einfach nur die Musikindustrie zu töten. Früher oder später verwandelte sich dann jede Cassette in so genannten Bandsalat)
Fünfundzwanzig Jahre später bin ich nun zum zweiten Mal im Komma. Agent Side Grinder, das selbst ernannte Elektro-Monster aus Schweden steht – im Rahmen des fünfundzwanzigjährigen Komma-Jubiläums – auf dem Programm. Casino und Exil gibt’s schon lange nicht mehr. Umso schöner ist es hier: ein lauschiger Fabrik-Innenhof, verblichene Punkparolen an den Wänden, graubärtige Altrocker von Kuhle Wampe und günstiges Flaschenbier lassen wehmütige Erinnerungen an die Achtziger aufkommen. Und was sehe ich auf dem Merchandising-Tisch? Musik-Kassetten!
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Tags: EBM · Elektro · Minimal Music

Foto: Reiner Pfisterer
Wenn es darum geht, ein Best-of der Kultureinrichtungen Baden-Württembergs zusammenzustellen, wird es nicht viele geben, die es wagen könnten, dem ZKM das Wasser zu reichen.
Schon die Eröffnung im Herbst 1997 war ein kultureller Paukenschlag. Kraftwerk gaben eines ihrer damals mehr als raren Konzerte. Das Zentrum für Kunst-und Medientechnolgie machte sofort deutlich, dass es sich als die neue Speerspitze von Innovationen versteht.
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Tags: Allgemeines

Foto: Sue Real
Das Konzert in einem Satz zusammengefasst, für alle mit wenig Zeit: zwei Boybands, die abwechselnd Lieder singen, sich viel umziehen, synchron tanzen und genau choreografierte Publikums-Interaktion betreiben, Fans in Summe sehr laut.
Ausführlicher, damit man die ganzen Konzertbilder besser drum rum arrangieren kann:
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Tags: Pop

Foto: Sue Real
Man hat den Song-Titel schon gewispert, während das Publikum auf die Zugabe wartete: „Living After Midnight“, und ja, er wird kommen, als letzter Song des Abends. Noch aber spielen Judas Priest ultragefrickelte Soli zu dem geradlinig stampfenden Beat von „You’ve Got Another Thing Coming“. Lang ausgespielt wird der Song, heiß gepeitscht ist das Publikum. Es ist ein Tanz auf dem Vulkan: Die Show hat ihren Höhepunkt erreicht, es fehlt nur noch der Donnerschlag zum Ende. Die Leute spüren es und wollen es doch nicht wahr haben. Sie sind euphorisiert und machen sie alle mit, die Ruf-und-Antwort-Spielchen: „Three more metal maniac calls“, werden da gefordert, die Pyros lassen es nochmal richtig krachen, „two more“, „one more“. [Mehr →]
Tags: Metal · Rock